Das Glück des Pendels – nicht nur für Carrie Mathison

Pendel

„Diese Musik könnte auch etwas für Carrie Mathison aus ‚Homeland‘ sein“, dachte Jan Wiele von der FAZ, denn „das ist eine Figur mit wahnhaften Schüben, die oft auch durch wilden Jazz im Soundtrack gespiegelt werden.“

Bitte bleiben Sie, auch wenn Sie kein Fan von „wildem Jazz“ – was auch immer Sie darunter verstehen – sind! Das Album „Pendulum“ von Lars Seniuks Bigband-Projekt „New German Art Orchestra“ (NGAO) ist nämlich Musik für Veränderer.

Die Kritik hat sich bereits überschlagen vor Begeisterung über den „modernen Bigband-Jazz auf Spitzenniveau“, „kontrastreiche Klangwelten, die vor Vitalität und Reife nur so strotzen“ und über den „Tausendsassa“ und „Überflieger“ Seniuk.1

Wer ist dieser Mann, und wie schafft er es, dass aus nicht einmal einer Stunde Musik eine atemberaubende Reise durch die eigene Brust wird?

Das Pendel – Glück als kristalliner Zustand

Lars Seniuk
Lars Seniuk

Lars Seniuk, 26, Komponist, Dirigent, Trompeter, Gründer musikalischer Projekte, Leiter des LandesJugendJazzOrchesters Hamburg, ist ein Veränderer:

„Für mich ist das stetige Voranschreiten wichtig. Traditionen zu achten, aber stets weiterzuschreiben, ist ein zentrales Thema. Zudem ist für mich das Vorhandensein zweier Antipoden, der Gegensätzlichkeiten, der Extreme, Ausgangspunkt und Basis aller Balance. Auch, oder gerade, in der Musik.“1

Auf „Pendulum“ setzt er dieses Pendel in Bewegung zum Thema „Glücklichsein“.

Wie das klingt? Schmeichelnd und irritierend, schroff und einfühlsam, „fett“ und fragil, melancholisch und übermütig – und Vieles mehr, was an Gegenpolen in uns lebt. Und dazwischen immer wieder die Momente der Balance:

„Nur in kurzen Momenten der Balance zwischen Suchen und Finden wird jener kristalline Zustand des Glücks für uns wahrnehmbar.“1

Soviel Leben hervorbringen und umsetzen, das kann nur ein ebenso vielfältiger Klangkörper. Die Musiker des NGAO sind nicht nur Spitzenkönner; sie machen als Orchester auch eine weitere Ebene des Pendels zu Musik: die Polarität von Individualität und Gemeinschaft.

Aber hören Sie selbst mal rein:

Illegale Akkorde

Nur gut, dass Lars Seniuk sich beim Voranschreiten auch nicht von allzu konservativer Software bremsen lässt :

(Lars Seniuk) „Grundsätzlich ist es ja so: Alles, was man beim ersten Hören als schön und eingängig empfindet, das gab es schon mal. Dass das Gegenteil der Fall ist, merkt man beim Komponieren zum Beispiel, wenn man im Notenprogramm sogenannte „illegal request chords“ erzeugt.

(Frage) Illegale Akkorde?

 

(Lars Seniuk) Ja, die werden dann von der Software rot markiert, weil sie so normalerweise in der traditionellen Musiktheorie keine Existenzberechtigung haben. Aber natürlich schreibe ich sie dann trotzdem auf.“2


>> P.S. 12. Februar 2016: „Pendulum“ ist nominiert für
einen der international wichtigsten und renommiertesten Musikawards, den ECHO Jazz 2016 der Deutschen Phono-Akademie in der Kategorie „Big Band-Album des Jahres“. Das Change Café freut sich mit und wünscht viel Erfolg bei der Preisverleihung am 26. Mai 2016 in Hamburg!

 

„Pendulum“ –  Lars Seniuk & New German Art Orchestra, 2015, Mons Records
http://www.monsrecords.de/details.php?id=539&navigation=Jazz
Website von Lars Seniuk: http://www.larsseniuk.de/
Website des New German Art Orchestra: http://www.newgermanartorchestra.de/

1 Kurzübersicht über die Fachpresse zu „Pendulum“ und Einführung in das Album:
http://www.monsrecords.de/details.php?id=539&navigation=Jazz

2 Lesenswertes Interview mit Lars Seniuk, FAZ.net 5.1.2016
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/interview-mit-lars-seniuk-ueber-neuen-jazz-13995498.html

Bildnachweis:
Beitragsbild Pendel: „Ingamozgas“ von Zátonyi Sándor (ifj.) Fizped – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ingamozgas.jpg#/media/File:Ingamozgas.jpg
Foto Lars Seniuk: Pressefoto Lars Seniuk

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